Von Wa(h)l Familien

Delfine

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7. Oktober 2020

Gastbeitrag von MANA

Leben an Land – wir Menschen…

Eine vereinfachte Zusammenfassung aus „eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari – ein Buch, das für mich Kultstatus hat –  um zu verstehen wie sich der Wandel in der menschlichen Gesellschaft bis heute vollzog.
Zwischen der Landwirtschaftlichen Revolution vor ca. 12.000 Jahren und der Industriellen Revolution vor ca. 200 Jahren verlief der Alltag der meisten Menschen in drei uralten Kreisen: der Kernfamilie, der erweiterten Familie (Clan) und der Gemeinschaft in der Siedlung oder Dorf.
Diese drei Kreise waren das emotionale Netz, Sozialversicherung, Gesundheitswesen, Mediennetzwerk, Bank und manchmal sogar Polizei und Justiz (Blutfehden) oder Supermarkt (Amazon), Heiratsvermittlung in einem.

Das Leben in der Familie war meistens alles andere als idyllisch.
Familien und Gemeinschaften konnten ihre Angehörigen genauso brutal unterdrücken wie moderne Staaten und Märkte, und ihre innere Dynamik war oft durch Spannung und Gewalt (Kinderarbeit, Verheiratung und Verkauf) gekennzeichnet.

Die Menschen hatten keine Wahl!

Wer seine Familie oder Gemeinschaft verlor, war so gut wie tot. Um zu überleben musste dieser Mensch schnellstens eine neue Familie finden. Schlimmstenfalls endete derjenige in der Armee oder im Bordell.

Daneben gab es noch Königreiche und Imperien, die Paläste, Straßen und Schutzwälle bauten und sich um die Kriegsführung sowie dem Schutz der vielen Gemeinschaften kümmerten. Der König war der Pate aller Paten und kassierte Schutzgelder in Form von Steuern oder Zwangsrekrutierung oder Zwangsarbeit beim Burgenbau von den Bauern. Im Gegenzuge garantierte er dem Zahler, ihn vor Räuberbanden und Mafia zu schützen. Mehr tat er nicht.

Entwicklung vom WIR zum ICH

Vor etwa 200 Jahren (nach der Industriellen Revolution) begannen Staat und Markt die traditionellen Gemeinschafts- und Familienbande aufzubrechen und übernahmen die Aufgaben der Gemeinschaften.
Der Staat regelte mehr und mehr, der Markt z.B. beeinflusst unser Liebes- und Sexualleben.
Zuerst prägt er unsere emotionalen und sexuellen Wünsche und dann hilft er uns diese zu erfüllen, gegen eine happige Gebühr, versteht sich.

Das „Wir“ driftete immer mehr zum „Ich“ ab.
Männer und später Frauen und Kinder gewannen immer mehr Rechte und es eröffneten sich neue und mehr Spielräume zur Lebensentfaltung des Individuums.

Auch das Zugehörigkeitsbedürfnis des Menschen wird immer mehr von „erfunden Gemeinschaften“ übernommen.
Sie bestehen aus Millionen von Menschen, die sich nicht kennen und „Nationen“, „Religionen“, „Fußballvereine“ und „Verbrauchergruppen“ arbeiten auf Hochtouren, um uns einzureden, dass wir einer großen Gemeinschaft angehören mit gemeinsamer Vergangenheit, gemeinsamem Glauben, gemeinsamem Interesse und gemeinsamer Zukunft.

Sie existieren zwar nur in unserer kollektiven Vorstellung, doch ihre Macht ist gewaltig. Menschen sind bereit Geld, Zeit, Gesundheit und sogar ihr Leben dafür zu geben.

Das Internet kam erst vor 30 Jahren in unser Leben und beherrscht mittlerweile den Büroalltag, Konsum, das soziale, emotionale Erleben (Games, Dating Portale, Facebook, Amazon), ein Prozess ständiger Revolutionen, der sich sicher noch beschleunigen wird.

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Menschen und Delfine

haben einiges gemeinsam: Beide Spezies entwickeln sich in einer herausfordernden Umwelt. Beide sind immer wachsam, beobachten Strömungen und Entwicklungen und suchen nach Hinweisen, um zu leben und zu überleben.
Sie sind fähig gut zusammen zu arbeiten, Netzwerke zu bilden, handeln aber auch allein auf kompetente Weise.
Wenn etwas nicht funktioniert, verfolgen sie unerbittlich etwas anderes, bis es funktioniert. Und sie können, falls notwendig, für einen Hai tödlich sein.*

Leben im Meer – Delfin Gesellschaften

Ein komplexes Gehirn, wie bei den Meeressäugern (Tümmler 2kg, Pottwal 8,5kg) legt den Schluss nahe, dass es unter ihnen auch ausgefeilte Gemeinschaften mit breit gefächerten Netzwerken gibt.
Die sozialen Strukturen bei den Meeressäugern unterscheiden sich.
Die komplexen Gesellschaftsstrukturen brauchen ein leistungsfähiges Gehirn, um zu unterscheiden.

Bei manchen Walarten werden die Schulen von älteren Weibchen mit Erfahrung geführt, sog. Matriarchate (z.B. Orcas, Pilotwale, Pottwale).

In Delfinschulen teilt sich die Gesellschaft (engl. Pod) in Aufzuchtgruppen und Kindergärten, Jugendgruppen und feste Männchen Gruppen (zur Unterstützung und Feindabwehr) auf.

Da es für Delfine keine Häuser gibt ist die Gemeinschaft als Schutz- und Rückzugsraum extrem wichtig.

Leben in der Schule findet innerhalb genau definierter Rahmenbedingungen statt, um sich vor Feinden zu schützen (dazu werden bestimmte Formationen gebildet).
Die Individualität wird der Gruppe untergeordnet.
In regelmäßigen Zeitabständen (ca. 1 Std bei Spinnerdelfinen) übernimmt jeder Delfin bestimmte Pflichten*, um das Funktionieren der Schule zu gewährleisten.
Schutz der Schule vor Feinden (z.B. Haie und Schwertwale): Das Prinzip der Anonymität, alle sehen sich täuschend ähnlich, bewegen sich gleich, damit hat ein möglicher Angreifer keinen klaren Bezugspunkt, auf den er sich konzentrieren kann. Er wird verwirrt.

Ein Drittel des Delfintages besteht aus unzähligen Varianten des Zärtlichkeitsaustausches.
Jeder Delfin ist Teil eines auf der Weiterleitung von emotionalen Äußerungen basierenden Lautsystems und Teil des Ganzen im Lebensraum Ozean.

Wo ist deine Wa(h)lfamilie oder dein Delfin pod?

Mehr WIR aus einem starken ICH
In dieser Zeit bietet sich die Chance mehr zu leben, statt zu überleben (wenn der Staat nicht zu viel regelt) und wir haben vielleicht zum ersten Mal in unserer Daseinsgeschichte so viele Gestaltungsmöglichkeiten wie nie. Eine unendliche Spielwiese.

Nach dem zum Leben erwachten Individuum besteht für uns Menschen jetzt die Möglichkeit das Umfeld oder Netzwerk, die Gemeinschaft zu finden, zu der wir uns im tiefsten Inneren hingezogen fühlen.

Mit wem will ich meine kostbare Lebenszeit verbringen? In welchem Feld möchte ich mich bewegen?

Begegne ich den Menschen wirklich? Findet aufbauender Energieaustausch (das kann auch mal ernüchternd sein, Wahrheit ist manchmal schmerzhaft) statt oder dient der Kontakt nur zum gegenseitigen Egoaufbau,
d.h. man erzählt sich Geschichten, um sich darzustellen, zu schützen oder abzulenken.

Die Familie und Freunde sind für viele der emotionale Ankerplatz, der Beruf vielleicht der materielle Halt.
Selbstverwirklichung – und Selbstentwickelung und Bewusstseinsentfaltung findet auch oft in anderen Gruppen oder Feldern ihren Ausdruck.

Für die kommenden anspruchsvollen Zeiten, lade ich dich ein zu fragen:
Wer oder was nährt mich wirklich?

Wo ist mein Tribe!

Mana Bauer

Siehe auch: https://susannebraack.de/eine-einladung-vom-leben/

 

*Delfinstrategien von Lynch/Kordis
*Forschungen von Ken Norris an Spinner Delfinen auf Hawai

Literaturhinweise:
Eine kurze Geschichte der Menschheit – Yuval Noah Harari
Die Zeit der Delphine – Kenneth S. Norris (Piper)

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