Bewusstes Atmen

Delfine

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13. August 2020

Kannst Du Dir vorstellen an jeden Atemzug denken zu müssen? Ich nicht!

Delfine sind keine Reflexatmer so wie wir Menschen. Wir gehen abends ins Bett und wachen bestenfalls am nächsten Morgen wieder auf. Der Atemreflex hat dafür gesorgt, dass wir die ganze Nacht weiterhin geatmet haben. Nicht so bei Delfinen. Sie müssen sich darum kümmern, dass sie atmen. Sie steuern ihren Atemvorgang. Aus diesem Grund kann man sie auch nicht narkotisieren.

Delfine und Wale sind Lungenatmer! Sie atmen durch ihre Blaslöcher, die praktischerweise im Zuge der Evolution nach oben auf den Kopf gewandert sind. Das ist viel praktischer, als vorne am Kopf eine Nase zu haben und diese zum Atmen aus dem Wasser heben zu müssen.

Die Umgebung der Blaslöcher der Meeressäuger ist unglaublich sensitiv. Sie spüren genau, wann sie die Meeresoberfläche durchbrechen und ausatmen sowie wieder einatmen können. Nicht selten beginnen sie auch schon unter Wasser auszuatmen. Der sogenannte Blas, die kleine Fontäne des Ausatmens, die uns hilft die Waltiere zu erspähen ist kondensiertes Wasser. Übrigens ist die „kleine Fontäne“ beim Blauwal 8 – 12 Meter hoch!

Ein großer Unterschied besteht beim Gehalt des Sauerstoffaustausches. Wir Menschen tauschen mit einem Atemzug ca. 20% Sauerstoff aus – beim Delfin/Wal sind es 80 – 90%. Delfine speichern folglich viel mehr Sauerstoff im Blut als wir. Das Blut der Pottwale kann 18x mehr Sauerstoff aufnehmen als das des Menschen.

Während eines Forschungsprojektes auf Hawai’i an gefangenen Delfinen wurden 33 Liter Luft beim Einatmen gemessen Beim Ausatmen stießen die Großen Tümmler fast 140 Liter Luft pro Sekunde aus. Damit können die Meeressäuger nahezu ihr gesamtes Lungenvolumen in einem einzigen Atemzug von weniger als einer Sekunde Dauer austauschen. Bestätigt wurde in dem Experiment auch, dass die Lunge beim Tauchgang kollabiert und auf diesem Wege die Lungenbläschen geschützt werden.

Durch diese besondere Art und Weise zu atmen, hat sich der „Halbseiten“ oder „interhemisphärische“ Schlaf bei Delfinen entwickelt: eine Gehirnhälfte ist im Ruhemodus während die andere wach ist und für den Atemvorgang sorgt und in Bereitschaft ist, falls Feinde auftauchen.

Stell Dir vor, wir Menschen könnten nur jeden Atemzug bewusst nehmen…

Homo delfinus – also wir Menschen ?

Auch wenn wir nicht bewusst atmen, sondern eben Reflexatmer sind, ist bewusstes Atmen eine der ältesten Meditationen der Welt. Bei der Einsichts-Meditation Vipassana hält man bewusst die Verbindung zum ein- und wieder ausströmenden Atem – ohne etwas zu verändern. Der Atemstrom ist der Weg nach Innen – zu dir, zu deiner Essenz.

Bewusstes Atmen bringt dich in diesen Moment und gibt dir Kraft, wach und präsent zu sein. Beobachte es einmal, wenn du ganz wach deinen Atem beobachtest, kannst du nicht gleichzeitig denken.

Überhaupt ist Atmen ein wichtiges Thema für uns Menschen. Es ist die Brücke zwischen den Welten. Wir atmen ein, wenn wir auf die Welt kommen beim berühmten Klaps auf den Po, der glücklicherweise heutzutage nicht mehr in Mode ist. Wir atmen aus, wenn unsere Seele den Körper wieder verlässt.

Heutzutage ist es eher so, dass wir zu viel einatmen. Etwas länger und öfter ausatmen würde uns guttun – mindestens 1,5-mal so lang wie die Dauer des Einatmens sollte die Ausatmung sein.

Jeder tiefe Atemzug, den wir nehmen geht auf das Konto des Parasympathikus, der Teil des Nervensystems, der für Entspannung, Regeneration und Heilung zuständig ist.

Für mich ist bewusst längeres Ausatmen sehr hilfreich, weil es das ganze Körpersystem runterfährt und entspannt. Großartig ist es, wenn ich in Momenten von Aufregung oder wenn mir etwas nicht passt, bewusst lange ausatmen kann. Damit fahre ich meine Erregung herunter und kann bestenfalls adäquat agieren statt reagieren. Da liegen Welten dazwischen ?!

Ansonsten bin ich heilfroh, dass ich mich nicht um jeden Atemzug kümmern muss.

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