Der Geist des Meeres

Blaues Wunder

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3. September 2020

TE MANA o TE MOANA

Der Geist des Meeres

Wir reisen auf Tahiti ein und freuen uns wie einfach das ist. Ein Schild Europa/Schengen weist uns auf dem Airport den Weg. Auf der Suche nach unserer Abholerin stolpern wir in die Blumendamen, die so schöne Blumenkränze flechten. Auf Hawai’i heißen sie Leis. Wie sie herrlich duften. Ich überrede Mana mir eines zu kaufen, wir bekommen zwei und dann kommt unsere Gastgeberin mit einem weiteren. Da war ich wieder zu voreilig!

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Wir bleiben nur eine Nacht, denn unser Ziel ist die Insel Mo’orea gleich nebenan. Vorher haben wir noch Zeit, die Markthalle in Papeete zu besuchen. Auf dem Weg dahin fühle ich mich zeitweise wie in einem Pariser Vorstadtteil.

Was mir auffällt ist, dass man so viele Menschen mit einer Zigarette sieht. Das ist ja in Deutschland und auch in Spanien eher selten geworden. Der Markt ist bunt und herrlich quirlig – ich finde ein „Must see (or better experience)“.

Was mir auch öfter auffällt, sind Männer, die Frauenkleidung tragen – mit oder ohne Handtasche. Für mich ist es ungewöhnlich einen gut gebauten jungen Mann in kurzer Jeans mit einem BH und einem weiblichen Oberteil zu bemerken. Der Verstand versucht wie gewöhnlich automatisch eine Schublade zu finden. Doch hierfür gibt es noch keine – oder weiter hinten eine mit dem Label Transvestit abgelegt.

In Polynesien werden Jungs nicht selten als Mädchen erzogen und mit allem betraut was als weiblich gilt. Besonders dann, wenn in einer Familie mehr Söhne als Töchter geboren werden, wird ein Junge dazu auserkoren im Haushalt zu helfen und die anderen Kinder mit groß zu ziehen.

Dieser Umgang hat in der polynesischen Kultur fest einen festen Platz und ist etwas Vertrautes und selbstverständliches. Auf Tonga heißen die jungen Männer fareleiti und auf Moorea mare. Sie verkörpern das dritte Geschlecht der Südseeinseln. Jedes Jahr wird auf Tonga die Miss Galaxy gewählt. Mittlerweile ein echtes Happening.

Dann geht es auf die Fähre und wir nähern uns einer grünen bergigen Insel mit bizarren Formen und einer maximalen Höhe von 1200 Metern. Der Fährhafen oder besser die Anlegestelle ist so klein und überschaubar. Man legt einfach in einer ruhigen Bucht an, stolpert ins Grün der Insel und steht vor einigen bizarren Smaragd gefärbten Bergen. Unsere Unterkunft bevor unsere Gäste ankommen, ist gleich um die Ecke. Ich merke, dass ich ein wenig mit der Insel fremdle und noch kein Gefühl für sie habe. Das ändert sich am nächsten Tag als wir die Insel mit dem Auto umrundet haben. Es sind nur ca. 60 km.

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 Dass wir gleich am ersten Tag einen veganen Imbiss entdecken, den wir dann zu „unserem“ Shack machen, ist ein unerwarteter Glücksfall. Soweit hätte ich mich gar nicht zu denken getraut. Dort gibt es Taro Burger und auch einen US Burger aus Taro. Lecker der Spinat aus Taro Blättern! Und auch die Uru (Brotfrucht) – Quiche. Das Besitzerpaar hat den Anspruch nur lokale Produkte zu verwenden und das gelingt ihnen unglaublich lecker. Z.B. auch mit „Cobacao“ – einer Nachspeise aus Kokosnuss, Banane und Kakao. Also Liebe auf den ersten Blick.

Mit der Insel ist es dann Liebe auf den zweiten Blick! Ganz erwischt hat es mich dann als wir mit dem Boot auf unserer ersten Ausfahrt die Insel entlang des türkisfarbenen Riffs umrunden. Der Anblick des klaren Wassers und dieses Türkis ist ein ekstatischer Augenschmaus!

Das Meer um die Insel herum ist ein Schutzgebiet. Auch ein Walschutzgebiet. Es gibt Regulationen, an die sich jeder Whale Watching und Walschwimm – Anbieter halten muss. Weiterhin sind 8 Fischschutzgebiete eingerichtet worden. Rechtzeitig, als man merkte die Fischbestände verringern sich deutlich. Da hat man also im rechten Moment die Handbremse angezogen und diese Marine Protected Areas (MPA) eingerichtet. Seitdem ist die Fischwelt zumindest rund um Mo’orea und Tahiti weitest gehend in Ordnung. Also hier könnte man Tunfisch oder anderen Fisch noch essen. Wenn man ihn mögen würde.

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Auch um die Schildkröten wird sich hier gut gekümmert. Unser Biologe an Bord hat vorher für die NGO, die die Schildkrötenauffangstation vom Umweltministerium unterstützt, betreibt, gearbeitet. Die Station am Intercontinental Hotel hat zurzeit 25 Patienten, die gesund gepflegt werden sollen, um dann zurück in die Freiheit entlassen zu werden. Von den 7 Seeschildkröten – Arten weltweit, sind vor allem die Hawksbill Schildkröte (jugendliche Tiere) und die Grüne Seeschildkröte hier zu finden. Hier, wie überall in den Meeren, verfangen sie sich in Nylonnetzen von Fischern, kollidieren mit Schiffen oder geraten als Beifang in Fischernetze. Es ist ein Glücksfall, wenn die verletzten oder verfangenen Schildkröten, gefunden werden und dann entsprechend in der Auffangstation behandelt werden können. Diese gemeinnützige Einrichtung mit dem schönen Namen Te Mana o te Moana tut sich auch mit einer tollen Umweltbildung besonders an Schulen vorbildlich hervor. Denn es wird zwar weniger, aber immer noch werden auf den Inseln Schildkröten für den menschlichen Verzehr gefangen.

Wusstest Du eigentlich, dass aus 1000 Schildkröten Eier nur eine lebensfähige und später auch reproduzierende Schildkröte hervor geht? Oder, dass die uralten Panzertiere (220 Mio Jahre alt) gut riechen können und drei Augenlider haben?

Wenn wir schon beim Intercontinental Hotel sind, dann muss ich auch auf die drei Delfine, die dort in einer Lagune gehalten werden, zu sprechen kommen. Es sind zwei pensionierte amerikanische Militärdelfine und ein Großer Tümmler aus Hawai’i, die dort ihren Lebensabend verbringen. Auswildern macht keinen Sinn. Aber, ob die teuren Schwimmprogramme mit Touristen nun wirklich sein müssen? Andererseits würden sich die Delfine vermutlich zu Tode langweilen, wenn nicht immer wieder Menschen, die sich an ihnen erfreuen, vorbei kommen würden. Da Delfine und Schwertwale sehr neugierige und auch verspielte Tiere sind, die immer wieder Stimulanz brauchen, halte ich die Langeweile in Gefangenschaft für ein großes Problem. Die Meeressäuger brauchen ihre Trainer und Pfleger und die Shows (gerne ohne die laute Taramtata Musik), da sie sonst eingehen würden. Wir haben diesen Ort natürlich nicht besucht. Ich würde auch sehr ungerne mit einem Delfin in Gefangenschaft schwimmen, ehrlich gesagt, halte ich die Tiere da nicht für berechenbar und hätte da sehr viel Respekt bis Angst. Widerstand gibt es übrigens nicht gegen die Delfinlagune, weil u.a. klar ist, dass keine weiteren Delfine dorthin kommen werden.

Ganz im Gegenteil im offenen Meer. Da bin ich gerne dabei und deswegen sind wir ja auch hier. Wir wollen ja sogar mit den 15 Meter langen Buckelwalen im Wasser tanzen.

Auf unserer ersten Tour sammeln wir erstmal 6 Plastikflaschen aus dem Meer. “People are crazy“ kommentiert unser Captain es. Uns freut es sehr, dass das Müll einsammeln für sie genauso selbstverständlich ist, wie für uns auf den Whale Watching Ausfahrten vor La Gomera. Wir treffen die ersten Wale!

Unsere sechs Touren können verschiedener nicht sein. Täglich wechselndes Wetter. Der Mythos vom sonnigen Südsee-Wetter mit ab und zu tropischen Schauern war fürs uns ohnehin schon gestorben. 

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An einem Tag fahren wir sogar früher zurück, weil es uns zu kalt ist… es windet und regnet. Wir hatten aber auch sonnige Touren! Auf den ersten beiden Touren dürfen wir männlichen Buckelwalen beim Schmettern ihres Südsee Saisonhits 2017 lauschen. Was für ein Spektrum an Tönen! Auf der allerersten Tour treffen wir auch eine Mutter mit ihrem Kalb sehr nach an der Küste. Aber die Sicht unter Wasser ist sehr schlecht, so dass es keinen Sinn macht, noch einmal zu ihnen ins Wasser zu gehen. An unserem „Walsinn“ Tag schien die Sonne und wir waren in der Riffzone und konnten den Anblick von einem Mutter/Kalb Paar genießen – mit zwei männlichen Eskort-Walen. Der eine von ihnen, atmete die ganze Zeit unter Wasser aus und machte dabei auch noch Töne. Sehr spektakulär.

Auf der letzten Ausfahrt erleben wir die unterschiedlichsten Verhaltensweisen und ein aktives Kalb, das nicht wenige Mal hinter einander springt.

Ich liebe diese Meeresanekdoten von den Menschen, die wir rund um den Globus treffen. Unser Guide berichtet: Zwei Buckelwale ruhen sich 10 Meter unter uns aus. Um uns herum waren 20-30 aufgeregte und quirlige Rauzahndelfine, die zu den Walen hinunter tauchten und dann wieder zu uns an die Oberfläche kamen, zeitweise weniger als zwei Meter von uns entfernt. Ein Weißspitzen – Hai gesellt sich dazu und schwimmt über den Walen. Der erste Delfin nähert sich ihm und beginnt seinen Bauch an dem Hai zu reiben. Es gab keine Anzeichen von Stress oder Aggression – weder von dem Delfin noch von dem Hai. Drei weitere Delfine nähern sich dem ungleichen Paar und machen dasselbe! Nach einer Weile entscheidet sich der Hai weiter zu schwimmen und die 4 Delfine formen ein perfektes, symmetrisches Kreuz – Nasen zu Nasen. Was für eine Show!

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